Lernen & Organisation Mindmapping oder die Kunst, Ordnung ins (kreative) Chaos zu bringen

Dieses Thema im Forum "Lernen und Organisation" wurde erstellt von Myrmid, 6 Juni 2013.

  1. Myrmid

    Myrmid

    Ort:
    Graz
    Hochschulabschluss:
    Magistra (FH) Wirtschaftswissenschaft
    2. Hochschulabschluss:
    Bachelor of Arts
    Studiengang:
    B.A. Kulturwissenschaften
    ECTS Credit Points:
    180 von 180
    Der Begriff des „Mindmapping“ geht auf Tony Buzan zurück und bezeichnet eine Kreativtechnik für verschiedene Anwendungsmöglichkeiten. Die bekannteste ist wohl mit Hilfe von Assoziationen Ideen und Gedanken zu einem bestimmten Thema zu entwickeln, zu ordnen und zu strukturieren (ähnlich dem „Brainstorming“). Als Ergebnis dieses Prozesses entsteht eine sog. „Mindmap“, mit der jedoch auch komplexe Beziehungen zwischen unterschiedlichen Begriffen dargestellt werden können.

    mindmapping.jpg
    Für vergrößerte Darstellung, auf Bild klicken.

    Mindmapping als Lernmethode im Studium
    Zwar sind Mindmaps zugegebenermaßen nicht jedermanns Sache, doch wenn einem diese Methode liegt und man die Technik einmal beherrscht, kann diese auch erfolgreich zur Lern- und Prüfungsvorbereitung eingesetzt werden. Insbesondere dann, wenn es darum geht, besonders komplexe und umfangreiche Themengebiete zu erarbeiten und zu strukturieren, sind Mindmaps meine erste Wahl. Als Studentin der Kulturwissenschaften, wo man immer wieder vor die Herausforderung gestellt wird, einerseits umfangreiche Stoffmengen zu verinnerlichen und andererseits bei der Prüfung Querverbindungen und Zusammenhänge zwischen den einzelnen Themenbereichen herzustellen, sind Mindmaps eine hilfreiche Methode. (Inwieweit sich diese Methode auch 1:1 auf andere Studiengänge und Fachgebiete umlegen lässt, kann ich leider nicht beurteilen.)

    Und so funktioniert’s:
    Dazu trage ich wichtige Begriffe zu einem bestimmten Themenbereich in die Mindmap ein und gruppiere darum herum weitere wichtige Stichworte. Diese hebe ich je nach Wichtigkeit oder Sinnebene auch durch unterschiedliche Größen, (Rahmen-)Formen und Farben voneinander ab. Die Struktur und Zusammenhänge werden mittels Verbindungsstrichen und/oder –pfeilen hergestellt. Die so entstandene „Gedächtnislandkarte“ dient dann als Stütze beim Lernen und Wiederholen – ich präge mir die Mindmap bzw. deren Struktur quasi „fotografisch“ ein und rufe diese sowie das dazu gelernte Detailwissen dann wieder ab. So lassen sich auch sehr umfangreiche Stoffgebiete strukturiert lernen und wiedergeben, ohne dass man dabei Gefahr läuft, wichtige Aspekte zu vergessen. Man hat somit im Idealfall immer den Überblick über das gesamte Thema vor Augen, sieht den „großen Zusammenhang“ und verliert sich nicht in der Stoffmenge.

    Das Erstellen von Mindmaps
    Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Mindmaps zu erstellen:

    1) Für die Kreativen unter uns bzw. jene, die besonders gut in Kombination mit Aktivität (selbst schreiben, zeichnen, mit verschiedenen Farben markieren... ) lernen, empfiehlt es sich, Mindmaps von Hand zu erstellen. Dazu verwendet man am besten viele bunte (Plakat-)Stifte und tobt sich bei größeren Mindmaps durchaus auch mal auf Packpapier am Fußboden aus. ;-) Allein durch diesen aktiven Herstellungsprozess prägt man sich die Begriffe und Strukturen schon ein erstes Mal ein. Die so erstellten Mindmaps kann man dann z. B. an strategisch günstigen Orten an die Wand hängen und sich diese dadurch quasi „im Vorbeigehen“ immer wieder ins Gedächtnis rufen.

    2) Aber keine Angst: Für diejenigen, an denen kein Künstler verloren gegangen ist oder für die diese Variante einfach zu mühsam ist, gibt es zahlreiche hilfreiche Programme – einige davon auch als Freeware. Einige der bekanntesten seien an dieser Stelle genannt (ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne damit eine Wertung abgeben zu wollen):
    http://www.freemind.softonic.de
    http://www.mindjet.com/de/
    (ehem. „MindManager“)
    http://www.xmind.net

    Ein großer Vorteil bei der Nutzung von Programmen ist, dass man in die digital erstellten Mindmaps verschiedene Dokumente, Links, Grafiken, Zusatzliteratur etc. einbinden kann und das Ganze sich auch mit wenigen Schritten in andere Dateiformate umwandeln lässt (z. B. Powerpoint, PDF etc.). Ich persönlich verwende z. B. „XMind“ und bin damit sehr zufrieden... aber vielleicht möchten ja auch andere hier ihre Erfahrungen mit Mindmap-Programmen teilen oder weitere Links und Tipps dazu abgegeben. ;-)


    Ein Wort zum Schluss
    Letztlich muss jeder für sich selbst herausfinden, ob Mindmapping als Lernmethode selbst bzw. für den jeweiligen Lernstoff in Frage kommt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich gerade beim Thema „Mindmaps“ die Geister scheiden – entweder man schwört darauf oder man kann damit überhaupt nicht ... viel dazwischen gibt es wohl nicht. Jedenfalls waren das für mich schon mal mindestens zwei gute Gründe, diese Kreativitäts- und Lerntechnik vorzustellen... vielleicht findet sie ja auf diesem Wege den einen oder anderen neuen Anhänger. ;-)

    Myrmid
     
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  2. Bahia78

    Bahia78

    Ort:
    München
    Studiengang:
    B.Sc. Wirtschaftsinformatik
    ECTS Credit Points:
    50 von 180
    Super Idee. Ich kenne zwar Mindmapping, allerdings bin ich nie auf die Idee gekommen das zum lernen zu nutzen. Ich versuche das aktuell zum ersten mal und stelle fest, dass es eine super Sache zum lernen ist.

    Jetzt bin ich auf der Suche nach einer Software, die sowohl auf Android als auch auf Windows läuft. Weil ich gerne mit dem Tablet lerne, würde ich gerne nicht nur die Mindmaps als PDF o.ä. als Ergebnis anschauen sondern auch am Tablet damit weiter arbeiten und ergänzen.

    Ich habe bisher keine brauchbare Software gefunden, hat mir da jemand einen Tip?
     
  3. SchweizerSchoggi

    SchweizerSchoggi

    Ort:
    Schweiz
    Studiengang:
    B.Sc. Wirtschaftswissenschaft
    Hallo Myrmid
    Vielen Dank für deinen Artikel. Auch wenn er schön älter ist, hat er nichts an Aktualität verloren.
    Ich bin ein eher farblich/grafisch lernendes Individuum und die allerbesten Ergebnisse (Staatsexamen erste Ausbildung und berufsbegleitendes WB-Studium vor einigen Jahren) hatte ich mit MindMaps und sehr bunten, handgeschriebenen Zusammenfassungen. Dummerweise hab ich das in meinem Präsenzstudium an der Uni dann nicht auch so gemacht (weil irgendwie alle nur stur auswendig gelernt haben und es für Mediziner uncool war :hopelessness:). Und diesen Fehler bereue ich bis heute....meine Ergebnisse waren deutlich unter meinen Fähigkeiten und das Lernen/Studieren war zeitweise eine Qual.
    Aber man wird ja älter und weiser ;-) daher wird das jetzige Studium wieder bunt.

    Da ich zwischenzeitlich nirgends mehr ohne mein iPad mini :inlove: hingehe und auch beruflich sehr viel digital arbeite, liegt es nahe auch meine Mind Maps dort zu erstellen. Ausserdem sitze ich geschäftlich viel im Flieger oder der Bahn.
    Hab mich durch eine deftige Grippe jetzt ausgiebig mit Testprogrammen rumschlagen können und viel ausprobiert. Geworden ist es das Original vom MindMap "Erfinder" Tony Buzan. http://imindmap.com/products/imindmap/

    Die iPad Version kostet knapp 20 Euro und durch kostenfreien Account ist alles über eine Cloud abrufbar.
    Die Farben/Grafiken und kinderleichte Erstellung mit dem Finger (wahlweise tabletgeeigneter Stift) gefällt mir sehr gut. Es gibt die Möglichkeit freihand zu erstellen oder organisch. Für 2 Euro zusätzlich gibt es viele Vorlagen (Business, Marketing, Teacher Pack).

    Die Desktop Version ist teurer (mehr Funktionen, u.a. 3D Präsentationsmodus), aber ich seh für mich darin aktuell keinen Zusatznutzen.

    Bin gespannt, wie ich wieder in das "bildliche Lernen" rein kommen werde.
    Kennt jemand von Euch diese App oder nutzt sie gar regelmässig fürs Studium ?
    Viele Grüsse aus der Schweiz
    Schoggi

    screen480x480.jpeg
     
    Antonio und Myrmid gefällt das.
  4. Maugli

    Maugli

    Ort:
    Berlin
    Studiengang:
    B.A. Kulturwissenschaften
    ECTS Credit Points:
    75 von 180
    Ich bin sehr zufrieden mit dem Programm iThoughtsX
    Damit kann man MindMaps auf dem Mac oder auf dem iPad / iPhone / iPod Touch erstellen.

    Die Mac-Version kostet stolze € 49,99
    Die iPad / iPhone / iPod Touch-App € 11,99

    Beide Varianten kann man 14 Tage kostenlos testen, um erst einmal reinzuschnuppern ... :notebook:

    http://toketaware.com
     
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  5. Study2016

    Study2016

    Hochschulabschluss:
    Bachelor of Arts
    Studiengang:
    M.Sc. Wirtschaftswissenschaft
    ECTS Credit Points:
    10 von 120
    Danke für den tollen Beitrag. Aktuell kann man mindjet auch sehr günstig über den Shop der Fernuni Hagen beziehen :)
     
  6. my.ri

    my.ri

    Studiengang:
    M.Sc. Wirtschaftswissenschaft
    hallo,

    es gibt mit freemind und freeplane erstklassige mindmap progis ... open source, daher kostenlos.
    zu dem einen habe ich von (Edit-Admin: entfernt) ein günstiges buch gekauft.
    seitdem plane ich mein gesamtes studium mit freemind.

    Lg, Myri
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 22 März 2017
    Herut. gefällt das.
  7. Ich bin bei meiner Recherche auf eine besondere Mindmapping Software gestossen, genannt Scapple. Warum besonders?

    + Anderes Funktionsprinzip:
    Erfordert nicht zwingend (aber ermöglicht dennoch!) eine hierarchische Anordnung der Lerninhalte!

    Alle Programme die ich kenne, setzen eine Kenntnis der Anordnung/Hierarchie des Lernstoffes im jew. Themengebiet voraus, das erzeugt ggf. Probleme.
    1. Man wird also durch die Software nicht gezwungen den Stoff in eine hierarchische Struktur hineinzupressen, wenn diese nicht paßt! Wenn eine eindeutige hierarchische Strukturierung des Lernstoffes keinen Sinn ergibt, sondern nur vielfältig untereinander verbundene Teilgebiete existieren.
    2. Ändert sich im Verlauf der Auseinandersetzung mit dem Stoff durch Erkenntnisgewinn die mentale Landkarte, die Anordnung/Verknüpfung der Teilgebiete, so muß der Stoff neu organisiert werden. Wegen des fehlenden Hierarchiezwanges ist der Zeitaufwand zur Reorganisation viel geringer bzw. wird sogar evtl. überhaupt erst ermöglicht, die Software steht einem dabei nicht im Weg!

    Betriebssysteme:
    Scapple for macOS requires Mac OS X 10.6.8 (Snow Leopard) or greater, running on a 64-bit Intel based Mac.
    Scapple for Windows: is compatible with XP, Vista, Windows 7, 8.1 and 10 (32 or 64-bit).

    Empfohlenes Review der Software:https://www.literatureandlatte.com/videos/Scapple-Mac-IntroductionSmall.mp4
    Homepage: https://www.literatureandlatte.com/scapple.php
    Shareware: https://www.literatureandlatte.com/trial.php?displayMode=scapple --- 30 Tage kostenlos testen. Lizenz: ca. 17 €
     
    Zuletzt bearbeitet: 19 März 2017
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  8. Cicero

    Cicero

    Ort:
    Mainspitze
    Hochschulabschluss:
    Diplom-Wirtschaftsingenieur
    2. Hochschulabschluss:
    Master of Business Administration
    Studiengang:
    Bachelor of Laws
    2. Studiengang:
    Erste Juristische Prüfung
    Mind-Maps und Concept-Maps

    Scapple

    Die von Markus38 oben vorgestellte Software Scapple ist in der Tat ein gutes und einfach zu nutzendes Werkzeug — eine der wenigen proprietären Anwendungen die ich nutze. Neben den von Markus38 genannten Eigenschaften ist für mich wichtig, dass ich Texte, Links, Bilder usw. einfach per drag-n-drop von und zu meinem Text Editor oder Textverarbeitung hin-und-her schieben kann.

    Die von Markus38 unter 1. besprochene Technik
    nennt man Concept-Mapping. Sie scheint in Deutschland nicht sehr verbreitet zu sein. Zumindest reden die meisten nur von Mind-Mapping. Sollte jemand von Euch die Methode nicht geläufig sein, auf Wikipedia gibt es einen kurzen Artikel dazu. Dort wird auch auf den Unterschied zwischen Concept- und Mind-Maps eingegangen: https://de.wikipedia.org/wiki/Concept-Map

    Ich nutze Scapple für Brainstorming, zum Sortieren von Textschnippsel, als Pinboard, zum schnellen Erstellen von einfachen Mind- und Concept-Maps (falls mir eine normale Text-Gliederung nicht genug Übersicht bietet) ...

    Wenn es Euch interessiert, das Benutzer-Handbuch (engl.) könnt Ihr von (Literatur and Latte) kostenlos herunterladen: https://www.literatureandlatte.com/learn-and-support/user-guides

    DesignVUE
    Ein Open-Source Project der Design Engineering group of the Mechanical Engineering Department des Imperial College London ( http://www.imperial.ac.uk/design-en...ign/engineering-knowledge-and-data/designvue/ ). Es ist eine Weiterentwicklung der Visual Understanding Environment (VUE) Software, die ursprünglich an der Tufts University entwickelt wurde ( http://vue.tufts.edu/index.cfm ). Es loht sich, auch diese Website anzuschauen, da es dort viele Beispiel-Maps gibt; mit deren Hilfe kann man erahnen, welche Möglichkeiten die Software bietet, vorausgesetzt, man setzt sich ein wenig mit ihr auseinander.

    In der Vergangenheit habe ich es zum Erstellen komplexer Concept-Maps genutzt. Ich kann mir gut vorstellen, dass insbesondere die "Issue-Based Information System (IBIS) notation"-Möglichkeiten im Jura-Studium die Lösung komplexer Fälle erleichtern können. (Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/Issue-based_information_system )

    Mehr Information zur IBIS-Methode findet Ihr im designVUE-Handbuch (engl.), dass Ihr herunterladen könnt von URL: https://www.imperial.ac.uk/design-e...g-knowledge-and-data/designvue/documentation/

    Bei Interesse könnt Ihr Software könnt Ihr herunterladen von: http://www.imperial.ac.uk/design-en...ign/engineering-knowledge-and-data/designvue/

    Vor dem Download werden abgefragt: Full Name, eMail und Affiliation. Ihr brauch keine Angst haben, dass Ihr mit eMails belästigt werdet. Die Programmierer möchten lediglich gerne wissen, wo Ihr Programm genutzt wird. Das halte ich für legitim. Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich bisher keine eMail von ihnen erhalten, obwohl ich das Programm seit Jahren auf meinen Rechnern habe.
     
    Antonio und andy73.ffm gefällt das.

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