Lernmaterial Klausurlösung 2014.03 - 32781 Rechnungslegung (Bilanzanalyse)

Münchner Kindl

Tutorin und Forenadmin
Ort
München
Studiengang
M.Sc. Wirtschaftswissenschaft
ECTS Credit Points
120 von 120
Aufgabe 4. Kurzfragen zur Bilanzpolitik und Bilanzanalyse (13 Punkte)

Unter betriebswirtschaftliehen Aspekten aufbereitete Gegenüberstellung des Vermögens sowie des Eigen- und Fremdkapitals
Strukturbilanz

Welcher Abschluss enthält tendenziell weniger stille Reserven: HGB oder IFRS
IFRS

Prognosespielräume zählen zu den Instrumenten der ……………….gestaltenden Bilanzpolitik.
darstellungs

Name des angloamerikanische Normenvergleich: Liquidität 3. Grades mindestens 200%
Banker's Rule = Current Ratio

Wofür gilt der finanzwirtschaftliche Cashflow regelmäßig als geeigneter Indikator?
Dispositive Liquidität = Zahlungsfähigkeit → Innenfinanzierungskraft

Wie wird allgemein eine als bilanzanalytisches Instrument genutzte (Teil- )Kapitalflussrechnung genannt, die lediglich für bestimmte Einzahlungs-Auszahlungs-Gruppen aufgestellt wird?
Fondsrechnung

Der Wert des Humanvermögens wird im Rahmen der Finnenwertmethode hauptsächlich wodurch abgebildet?
Barwert aller zukünftigen Differenzen zwischen dem branchenüblichen Gewinn und dem vom Unternehmen erwirtschafteten Gewinn.

Welcher Schritt im Rahmen der Methodik einer Bilanzanalyse zielt auf die Informationskompatibilität der eingesetzten Methoden?
Methoden-Informationsvergleich

Warum sollten relative Kennzahlen den absoluten Kennzahlen vorgezogen werden?
Durch die Relativierung wird die Aussagekraft der eingehenden absoluten Kennzahlen erhöht und die Vergleichbarkeit mit Kennzahlen anderer Unternehmen oder mit dem Branchendurchschnitt erhöht.




Aufgabe 5 (Grundlagen der Bilanzpolitik und Bilanzanalyse) 14 Punkte

a) Stromgrößen identifizieren (2 Punkte)

a1) Grundstück an Zuschreibung

Grundstück ist ein Aktivkonto (Teil der Bilanz!), da es links steht wird es erhöht (Aktiva sind in Bilanz links, also steht es an der "richtigen Stelle" → es wird erhöht).

Zuschreibung ist ein Ertragskonto (Teil der GuV!), da es rechts steht und die Erträge in der GuV auch rechts stehen, es also "richtig" steht, wird es erhöht:
Grundstück↑ an Zuschreibung↑

Die Zuschreibung verändert nur den Ertrag, nicht das Geldvermögen und nicht den Zahlungsmittelbestand.
Ertrag

a2) Fuhrpark an Bank

Fuhrpark ist ein Aktivkonto, da es links steht wird es erhöht.

Bank ist ein Aktivkonto, da es rechts steht und aber die Aktiva in der Bilanz links stehen, steht es "nicht richtig", und wird deswegen vermindert:
Fuhrpark↑ an Bank↓

Die Banküberweisung verändert sowohl den Zahlungsmittelbestand (= Bargeld + Girokonten + Schecks), als auch das Geldvermögen (=Bargeld + Girokonten + Schecks + Forderungen - Verbindlichkeiten).
Auszahlung, Ausgabe


b) Was müssen die die folgenden Unternehmen aufstellen? (4 Punkte)

Siehe §264 Abs. 1 HGB und §242 Abs. 1 und 2 HGB
Siehe auch Lösung Aufgabe 19, KE1, S. 42​

(b1) Kleine Kapitalgesellschaften Bilanz, GuV, Anhang

(b2) Mittelgroße Kapitalgesellschaften Bilanz, GuV, Anhang, Lagebericht

(b3) Große Kapitalgesellschaften Bilanz, GuV, Anhang, Lagebericht

(b4) Nicht haftungsbeschränkte Personenhandelsgesellschaften Bilanz, GuV


c) 4 wesentliche Berichtsbestandteile des Lageberichts (8 Punkte)

Einfach direkt aus §289 HGB abschreiben, sind auch in Abb. 7, KE1, S. 44-45​

Prognosebericht (§289 Abs. 1 Satz 4 HGB):
Beurteilung und Erläuterung der voraussichtlichen Entwicklung mit ihren wesentlichen Chancen und Risiken

Nachtragsbericht (§289 Abs. 2 Nr. 1 HGB):
Vorgänge von besonderer Bedeutung, die nach dem Schluß des Geschäftsjahrs eingetreten sind.

(Finanz-)Risikobericht (§289 Abs. 2 Nr. 2 HGB):
Die Risikomanagementziele und -methoden der Gesellschaft einschließlich ihrer Methoden zur Absicherung aller wichtigen Arten von Transaktionen, die im Rahmen der Bilanzierung von Sicherungsgeschäften erfaßt werden, sowie die Preisänderungs-, Ausfall- und Liquiditätsrisiken sowie die Risiken aus Zahlungsstromschwankungen, denen die Gesellschaft ausgesetzt ist, jeweils in Bezug auf die Verwendung von Finanzinstrumenten.

IKS-Bericht (§289 Abs. 5 HGB):
Beschreibung der wesentlichen Merkmale des internen Kontroll- und des Risikomanagementsystems im Hinblick auf den Rechnungslegungsprozeß.



Aufgabe 6 (Bilanzpolitik)

a) Unternehmen kauft Wertpapier, das es mehrere Jahre halten möchte.

Kauf: 30.12.2010 zu 100 € zuzüglich 3 € Nebenkosten → 103 € Anschaffungskosten
Kurs des Wertpapieres am 31.12.2010: 105 €
am 31.12.2011: 125 €
am 31.12.2012 wegen kurzfristigen Marktschwankungen: 75 €
am 31.12.2013: 110 €.

(a1) Unterschied Bewertung von Anlage- und Umlaufvermögen? (2 Punkte)
AV: gemildertes Niederstwertprinzip
UV: strenges Niederstwertprinzip

(a2) Bewertung bei progressiver Bilanzpolitik (6 Punkte)
Mehrere Jahre halten wollen = Wertpapiere sind Teil des Anlagevermögens
Progressive Bilanzpolitik = wir wollen hohen Gewinn!

Rele Klausur WP progressiv.jpg

(a3) Bewertung bei konservativer Bilanzpolitik (6 Punkte)
Mehrere Jahre halten wollen = Wertpapiere sind Teil des Anlagevermögens
Konservative Bilanzpolitik = wir wollen niedrigen Gewinn!

Rele Klausur konservativ.jpg

b) Bilanzpolitik (3 Punkte)

Plan-Bilanz "vor" Bilanzpolitik enthält (innerhalb des langfristigen FK) Rückstellungen 10.000 €, die wegen einem befürchteten Prozeß gebildet wurden. Geschäftsleitung schätzt jedoch die Klageerhebung mittlerweile als höchst unwahrscheinlich ein und will damit nun bilanzpolitisch progressiv umgehen. Unternehmen will bisher nicht erfaßte latente Steuern 5.000 € aktivieren.

Rele Klausur vor Bilanzpolitik.jpg

Wie sieht die Bilanz "nach" Bilanzpolitik aus?
Gewinn, Bilanzsumrne?


Progressiv: wir wollen hohen Gewinn (= JÜ = Jahresüberschuß)
1. Rückstellung gewinnerhöhend auflösen → JÜ steigt um 10.000€, Rückstellung (KFK LFK) sinkt um 10.000€
2. Aktive latente Steuern aktivieren → JÜ steigt um 5.000€ (siehe Beispiel hier auf S. 57-58)

Rele Klausur nach Bilanzpolitik korrigiert.jpg

Bilanzsumme steigt um 5.000€ auf 155.000€.
Gewinn (= JÜ) steigt um 15.000€ auf 25.000€.



Aufgabe 7 (Bilanzanalyse) 16 Punkte

a)


(a1) Was sagt die Kennzahl "Umschlagsdauer" aus? (1 Punkt)

Wie viele Tage eine Vermögensposition durchschnittlich im Unternehmen verbleibt.


(a2) Sollte die "Umschlagsdauer" für eine positive Beurteilung Liquidierbarkeit möglichst lang oder möglichst kurz ausfallen? Begründen Sie Ihre Ansicht, indem Sie eine solche ökonomische Interpretation vornehmen und damit die Aussage(-kraft) dieser Kennzahl erklären! (3 Punkte)

Möglichst kurz. Je geringer die Umschlagsdauer desto schneller läßt sich das Vermögen liquidieren (=verflüssigen = verkaufen!), also in liquide Mittel umtauschen, um eventuell vorhandene Liquiditätslücken im Unternehmen zu stopfen.


b) Analyse der Unternehmenszielerreichung: zwei Vorgehensweisen

(b1) Um welche zwei Methoden handelt es sich hierbei? Fassen Sie zu jeder Methode die jeweilige Vorgehensweise des Analysten möglichst in einem Satz zusammen! (4 Punkte)

Primäranalyse: Analyse der Soll-Zielerreichung: Analyst legt nach eigenen Vorstellungen ein Soll-Zielsystem fest, und vergleicht die tatsächlichen Größen des Unternehmens mit diesem Soll-Zielsystem.

Sekundäranalyse: Analyse der Ist-Zielerreichung: Analyst findet irgendwie das echte Zielsystem der Geschäftsleitung heraus (= Ist-Zielsystem) und vergleicht die tatsächlichen Größen des Unternehmens mit diesem Ist-Zielsystem

(b2) Unterziehen Sie beide Methoden jeweils einer kritischen Würdigung. Hinweis: Beschränken Sie sich jeweils auf das Hauptmerkmal bzgl. der Vorgehensweise! (2 Punkte)

Primäranalyse: Analyse der Soll-Zielerreichung:
Standardvorgehen des Analysten in einer Bilanzanalyse: er legt die Vergleichsgrößen fest.

Sekundäranalyse: Analyse der Ist-Zielerreichung:
Eher ungewöhnlich, da die Geschäftsleitung ihr Zielsystem gewöhnlich nicht bekanntgibt. Falls sie es doch tut, ist diese Art der Analyse für den Analysten einfacher, da er sich nicht ein eigenes Zielsystem ausdenken muß. Auch ist das Ergebnis der Analyse dann genauer, denn er vergleicht ja mit den echten Zielgrößen.


c) Strukturbilanz (6 Punkte)

Schlußbilanz enthält selbsterstellte immaterielle Vermögensgegenstände 15.000€.
25.000 € des Jahresüberschusses soll ausgeschüttet werden.

Wie sieht die unter betriebswirtschaftlichen Aspekten aufbereitete Strukturbilanz aus? Schritte?
Korrekturen hinsichtlich der Erfolgsrechnung müssen nicht ausgeführt werden.

Rele Klausur Bilanz für Strukturbilanz.jpg

  1. Immat. VG rausholen: AV um 15.000€ senken → neues AV = 85.000€.
    Da wir annehmen, daß sie nicht in diesem Jahr aktiviert wurden (dann würden sie den JÜ senken), sondern in irgendeinem Jahr davor (d.h. der JÜ von damals ist schon als Gewinnrücklage im EK enthalten), müssen wir das EK um die 15.000€ senken → neues EK = 25.000€.

  2. JÜ aufteilen, den auszuschüttenden Teil 25.000€ ins KFK stecken, die restlichen 20.000€ ins EK: KFK steigt auf 55.000€, EK steigt um 20.000 auf 45.000€.

  3. Aktive latente Steuern rausholen: EK senken um diese 5.000€ → EK ist nun 40.000€

  4. UV1 und UV2 addieren → UV ist 70.000€

  5. Pensionsrückstellungen ins LFK stecken → neues LFK = 60.000€

Rele Klausur Strukturbilanz.jpg
 
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