Sonstiges Barwert

Hochschulabschluss
Zweites Staatsexamen Jura
Studiengang
B.Sc. Wirtschaftswissenschaft
ECTS Credit Points
30 von 180
2. Studiengang
Master of Laws
ECTS Credit Points
20 von 180
Ich habe mir für das kommende Sommersemester fest vorgenommen, die Klausur im Modul 31101 zu schreiben ... und auch zu bestehen ;-) Daher brühte ich seit etwa 2 Wochen über den Skripten. Ein Unterkapitel verstehe ich aber beim besten Willen nicht: der Barwert.

Was ist das und was bringt es mir?

Mit den Ausführungen im Skript kann ich nichts, aber wirklich gar nichts, anfangen. Ich weiß, man hat das Thema bereits in "Einführung in die WiWi", aber das ist mir dann doch zu lange her :dead:
 
Die Frage hatte ich im Bewerbungsgespräch.

Bei einem Barwert wird der heutige Wert von Zahlungen, die in der Zukunft liegen, berechnet.
Dies erfolgt duch Abzinsung der zukünftigen Zahlungen, d.h. jede Zahlung wird mit einem Abzinsungsfaktor multipliziert und zum Schluss werden die Werte summiert.
 
Und mit genau dieser Erklärung kann ich nichts anfangen :hopelessness:

Kannst du mir das vielleicht an einem Beispiel erklären?
 
Zinssatz 10 %
Du musst in einem Jahr 1100 Euro bezahlen (wofür auch immer).

Heute brauchst du dafür aber nur 1000 Euro zu 10 % anlegen, um in einem Jahr 1100 Euro für die Zahlung zu haben.
 
Das Beispiel von Flügellahm ist gut.

Aber warum brauchen wir eigentlich den Barwert?
Die Begründung ist, dass wir Geld, was wir jetzt kriegen können für "wertvoller" halten.
Was würdest du bevorzugen: jetzt von mir 50 Euro bekommen oder 100 Euro in 15 Jahren?
Der homo oeconomicus präfertiert jetzigen Konsum. Selbst wenn das Nullzinsniveau bleibt, würden die meisten lieber jetzt 50 Euro nehmen als zu warten.
 
Zuletzt bearbeitet:
Nähere Dich dem Konzept über den Endwert, der ist nämlich intuitiv. Grundannahme: Sollzins=Habenzins=10%
Wenn Du heute 100 Euro kriegst und das Geld anlegst, hättest Du in einem Jahr 110 Euro (das wäre der Endwert bei t=1)
Jetzt drehen wir das um:
Wenn Dir jemand anbietet, er gibt Dir in einem Jahr 110 Euro, hast Du jetzt natürlich erst mal nix.
Allerdings bist Du jetzt kreditwürdig - Du könntest Dir heute 100 Euro leihen, und dann ein Jahr später inklusive Zins mit den 110 zurückbezahlen.
Die 100 Euro sind der Barwert. Es ist die gleiche Idee wie beim Endwert, nur rückwärts gerechnet.
 
Das Beispiel von Flügellahm ist gut.

Aber warum brauchen wir eigentlich den Barwert?
Die Begründung ist, dass wir Geld, was wir jetzt kriegen können für "wertvoller" halten.
Was würdest du bevorzugen: jetzt von mir 50 Euro bekommen oder 100 Euro in 15 Jahren?
Der homo oeconomicus präfertiert jetzigen Konsum. Selbst wenn das Nullzinsniveau bleibt, würden die meisten lieber jetzt 50 Euro nehmen als zu warten.

Deine Begründung für den Barwert gefällt mir gar nicht. Mit dem Barwert habe ich eine gleichwertige Größe für einen künftigen Zahlungsstrom bzw. eine spätere Zahlung. So wie Du das beschreibst, ist "Geld jetzt" wertvoller und damit einem Zahlungsstrom, oder "Geld später" vorzuziehen, egal ob die Zahlung gleichwertig ist oder nicht. Beim konsumorientierten Menschen mag das zutreffen, der Homo ökonomicus entscheidet sich für den höheren Wert, bzw. ist indifferent, wenn die Werte gleich sind!

Der entscheidende Faktor bei der Barwert-Ermittlung ist der Zinssatz. Die Legislative doktert grad an einem Gesetzentwurf für 253 HGB rum, der genau die Thematik betrifft (der Barwert wird hier als Erfüllungsbetrag bezeichnet).
 
Du sagst selber das der entscheidende Faktor der Zinssatz ist und genau diese Verzinsung ist ausschlaggebend für den "time value of Money", der bedeutet, dass Geld, das man heute besitzt, mehr wert ist als Geld, das man in der Zukunft besitzen wird. Dies ist eine Präferenz, die der Unsicherheit bezüglich zukünftigen Zahlungen geschuldet ist.

Die Bar- und Endwertermittlungen beruhen auf diesem Konzept.

Wie gesagt, dank des Bewerbungsgespräches werde ich das nicht so schnell vergessen :-p.
 
Zuletzt bearbeitet:
Meines Erachtens ist das Gegenteil der Fall! Mehr Menschen geben Zahlungsströmen den Vorzug, als Einmalzahlungen.

Aber das war nicht die Frage! Die war: Warum brauchen wir den Barwert. Und Deine Antwort ...dass wir Geld, das wir jetzt kriegen können für "wertvoller" halten...ist sowohl unsinnig als auch falsch.

Ein Barwert wird benötigt, um eine "Vergleichszahl" oder "Vergleichswert" für einen Zahlungsstrom zu haben. Der wird z.B. bei der Bilanzierung, Besteuerung, zur Entscheidungsfindung etc. benötigt.
Was Du ins Spiel bringst, sind persönliche Präferenzen, die erst mal nix mit dem Barwert an sich zu tun haben.
 
Sorry, aber wie gesagt die Barwertberechnung beruht auf diesem Konzept.
Anscheinend hat mir die Fernuni im VWL-Studium nur Quatsch vermittelt.....:ROFL:.

Im Übrigen habe ich nichts von Zahlungsströmen geschrieben. Den Barwert kann ich auch für eine Einmalzahlung in der Zukunft berechnen. Du meinst jetzt sicherlich den Rentenbarwert, aber es ging um den Barwert allgemein.

Klar braucht man den Barwert auch für Bilanzierung und ähnliches, aber der Barwert der Finanz- und Investitionsrechnung beruht auf dem Konzept des Zeitwertes des Geldes und dieses besagt nun mal, dass man theoretisch eine Zahlung heute einer zukünftigen vorzieht.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich denke nicht, dass die Fernuni Dir nur Quatsch vermittelt hat, ich halte lediglich Deine Wahrnehmung (und Wiedergabe) für (sehr) oberflächlich. Entweder hast Du's nicht verstanden, oder gibst es falsch wieder, oder Beides.
Du kannst ja nicht mal die paar Zeilen in diesem Thread aufmerksam lesen...
 
Ich denke nicht, dass die Fernuni Dir nur Quatsch vermittelt hat, ich halte lediglich Deine Wahrnehmung (und Wiedergabe) für (sehr) oberflächlich. Entweder hast Du's nicht verstanden, oder gibst es falsch wieder, oder Beides.
Du kannst ja nicht mal die paar Zeilen in diesem Thread aufmerksam lesen...
Hast du einen schlechten Tag oder so? Ein bisschen netter sollte schon möglich sein..
 
Ich denke nicht, dass die Fernuni Dir nur Quatsch vermittelt hat, ich halte lediglich Deine Wahrnehmung (und Wiedergabe) für (sehr) oberflächlich. Entweder hast Du's nicht verstanden, oder gibst es falsch wieder, oder Beides.
Du kannst ja nicht mal die paar Zeilen in diesem Thread aufmerksam lesen...

@Ginevra345 : Ach lass ihn. Ich habe es genauso wiedergegeben, wie es in den Lehrbüchern steht.
Wenn er mir nicht folgen kann, tut es mir leid, aber meine Wahrnehmung als oberflächlich zu bezeichnen, ist vielleicht wirklich nicht die feine Art.

Aber Juristen und Volkswirte verstehen sich eh nicht gegenseitig...ist ja gerade wieder der perfekte Beweis :-p.
 
"Aber warum brauchen wir eigentlich den Barwert? Die Begründung ist, dass wir Geld, was wir jetzt kriegen können für "wertvoller" halten."

Wir halten es nicht für wertvoller, sondern es ist wertvoller. Das ist ein von persönlichen Konsumpräferenzen unabhängiges ökonomisches Faktum bedingt durch Zins und Inflation. 100 € jetzt sind mehr als 100 € in 5 Jahren, da man den Betrag bei Sofortauszahlung über 5 Jahre lang verzinslich anlegen kann. Umgekehrt wäre es natürlich bei Negativzinsen in Verbindung mit Bargeldabschaffung. Bei einem Nullzinsniveau wird ebenfalls Sofortzahlung präferiert, da das Geld durch die Inflation einem Wertverlust unterliegt. Aber selbst bei Nullzinsen und Nullinflation gleichzeitig wird die Sofortzahlung präferiert, da man sich ansonsten ohne einen ökonomischen Vorteil von der Möglichkeit der Verfügung über das Kapital ausschließen würde, was keinen Sinn ergibt. Das einzige Szenario, bei dem vernünftigerweise die künftige Zahlung des gleichen Betrages der gegenwärtigen vorgezogen wird, ist wie gesagt der Negativzins in einer bargeldlosen Welt.

"Was würdest du bevorzugen: jetzt von mir 50 Euro bekommen oder 100 Euro in 15 Jahren?"

Wenn ich die 50 € nicht mal zu 4% anlegen könnte, bevorzuge ich die 100 € in 15 Jahren, es sei denn ich bin jetzt total knapp bei Kasse, so dass ich einen Kredit mit 4,73% Zinsen p.a. (Laufzeit kundenfreundliche 15 Jahre) dankend annehme.

"Der homo oeconomicus präfertiert jetzigen Konsum."

Behauptet die Wiwi tatsächlich diesen Quatsch? Ich lege jedenfalls größten Wert auf ein gewisses Sparguthaben, um mir zukünftigen Konsum ermöglichen zu können.:rolleyes: Laut diesem Wiwi-Unsinn müsste ich ja meine ganzen zinsfrei auf dem Girokonto angelegten paar tausend Kröten auf den Kopf hauen, weil ich jetzigen Konsum präferiere.:stupid:

"Selbst wenn das Nullzinsniveau bleibt, würden die meisten lieber jetzt 50 Euro nehmen als zu warten."
Na dann gehöre ich schon mal nicht zu den "meisten".:eyeroll2:

@Damerl: "der Homo ökonomicus entscheidet sich für den höheren Wert, bzw. ist indifferent, wenn die Werte gleich sind!"
Wenn der auf die Gegenwart abgezinste Zukunftsbetrag gleich dem Gegenwartsbetrag ist, ist man nicht indifferent, sondern entscheidet sich vernünftigerweise für den Gegenwartsbetrag, da es schlichtweg keinen Sinn macht, bei einem Zinssatz von 10%, die Wahl für "110 € in einem Jahr" statt "100 € sofort" zu treffen. In der Wiwi-Klausur mag man das Kreuz bei "Indifferenz" setzen müssen, falsch ist es trotzdem.

"Du sagst selber das der entscheidende Faktor der Zinssatz ist und genau diese Verzinsung ist ausschlaggebend für den "time value of Money", der bedeutet, dass Geld, das man heute besitzt, mehr wert ist als Geld, das man in der Zukunft besitzen wird. Dies ist eine Präferenz, die der Unsicherheit bezüglich zukünftigen Zahlungen geschuldet ist."

Was hat das jetzt mit Unsicherheit zu tun?:durcheinanderAuch in einer ohne Unsicherheit verhält es sich so wie oben dargetan. Natürlich kann man unter Unsicherheit wiederum unzählige Dinge modellieren und ausrechnen, wie sich ein bestimmtes Wirtschafssubjekt unter bestimmten Bedingungen vernünftigerweise verhält. Aber das ist ja gar nicht Thema des Threads.
 
"Du sagst selber das der entscheidende Faktor der Zinssatz ist und genau diese Verzinsung ist ausschlaggebend für den "time value of Money", der bedeutet, dass Geld, das man heute besitzt, mehr wert ist als Geld, das man in der Zukunft besitzen wird. Dies ist eine Präferenz, die der Unsicherheit bezüglich zukünftigen Zahlungen geschuldet ist."

Was hat das jetzt mit Unsicherheit zu tun?:durcheinanderAuch in einer ohne Unsicherheit verhält es sich so wie oben dargetan. Natürlich kann man unter Unsicherheit wiederum unzählige Dinge modellieren und ausrechnen, wie sich ein bestimmtes Wirtschafssubjekt unter bestimmten Bedingungen vernünftigerweise verhält. Aber das ist ja gar nicht Thema des Threads.

Die Unsicherheit bezog sich zum Beispiel, wie du weiter oben selber erläutert hast auf die Inflations- und Zinsentwicklung ;-).

Das mit der prinzipiellen Bevorzugung jetzigen Konsums war nicht ganz korrekt. Habe noch mal nachgelesen. Man spricht von einer Präfernzumkehr. Früher hat man ehr auf Gegenwartskonsum verzichtet, um zukünftigen Konsum zu ermöglichen. Dies hat sich umgekehrt und man bevorzugt jetzigen Konsum.
..ich bin auch ehr der Mensch der ein Sparguthaben bevorzugt, aber leider ist das Thema Altersvorsorge der beste Beweis dafür, dass viele ehr an den Gegenwartskonsum und nicht an den zukünftigen denken. Alle wissen das die gesetzliche Rente nicht reichen wird und trotzdem sorgt der größte Teil der Bevölkerung nur unzureichend vor.
 
Zuletzt bearbeitet:
"leider ist das Thema Altersvorsorge der beste Beweis dafür, dass viele ehr an den Gegenwartskonsum und nicht an den zukünftigen denken. Alle wissen das die gesetzliche Rente nicht reichen wird und trotzdem sorgt der größte Teil der Bevölkerung nur unzureichend vor."

Spielst du jetzt auf Riester & Co. an. Na da haben die Leute ja zum Glück alle (so wäre zu hoffen) begriffen, dass das Ansparen einer privaten Zusatzrente Leuten mit minimaler gesetzlicher Rente keineswegs einen zukünftigen Konsum beschert, sondern vielmehr darauf ausgerichtet ist, die Sozialkassen zu schonen.:stupid: Und überhaupt ist die Leier mit der Notwendigkeit privater Altersvorsorgeanstrengungen ein zynischer Witz, denn sie richtet sich ja gerade an Leute, die einer todsicheren Altersarmut entgegensehen. Und worauf geht die zurück? Na auf die Tatsache, dass die Betroffenen bereits heute arm sind und nicht wissen, wie sie jetzt mit ihrem groß gefeierten Mindestlohn über die Runden kommen sollen - der bei utopischen 45 Beitragsjahren so maximal 600 € Nottorente abwerfen dürfte (plus künftige RW-Anpassungen, die ökonomisch aber nichts anderes sind als Inflationsausgleiche).:ohyeah: Die Leute haben kein Vorsorgeproblem aufgrund *vwlsprechein* falscher intertemporaler Präferenzstrukturen *vwlsprechaus* , sondern ein Lohnproblem, das nicht zuletzt auch ausländischen in harter Konkurrenz mit Dtld. stehenden Volkswirtschaften entsprechende Probleme aufmacht. Aber gut, das Threadthema war ja eigentlich der Barwert...:eyeroll2:
 
Das mit der prinzipiellen Bevorzugung jetzigen Konsums war nicht ganz korrekt. Habe noch mal nachgelesen. Man spricht von einer Präfernzumkehr. Früher hat man ehr auf Gegenwartskonsum verzichtet, um zukünftigen Konsum zu ermöglichen. Dies hat sich umgekehrt und man bevorzugt jetzigen Konsum.
Wenn wir nach dem Modell von Fisher-Hirschleifer gehen würde ich doch eher sagen, dass jeder seine Individuelle Präferenzfunktion hat was den zukünfigen vs. jetzigen Konsum hat ;-)
Nichts desto trotz ist der Barwert zum Vergleich unterschiedlicher Anlagen durch Diskontierung auf den jetzigen Zeitpunkt erst mal das Entscheidungskriterium, ob die Investition lohnt, ob ich es besser auf's "Sparbuch" lege, oder gar heute auf den Kopf haue....
 
Ich denke der Barwert taugt am besten dazu, verschiedene Investitionen vergleichbar zu machen.
 
Interessant, wie sich die Diskussion vom Barwert zur Riesterrente und Präferenzfunktion entwickelt hat.

Im Beitrag #2 hat LuluCat ja vorbildlich den Barwert definiert. Aber Beitrag #5 und folgende sind einfach Unsinn! Das legt für mich die Vermutung nahe, dass sie die Thematik doch nicht verstanden hat.

Wenn man zwischen einer Zahlung jetzt oder Zahlung später wählen kann (was ja selten der Fall ist), und die konsum- und sicherheitsorientierte Beamtin immer die "Zahlung jetzt" vorzieht, wozu brauch ich dann den Barwert? Den ich ja mit dem Wert der "Zahlung jetzt" bereits habe...also bis auf den ersten Satz ist der Inhalt in #5 m.E. vollkommen daneben! Und dann gibt's noch eine Reihe von "Oberflächlichkeiten" deren Aufzählung mir jetzt zu weit geht.

Den Barwert braucht man (Danke an Katatsumuri für die Fokussierung) zu Vergleichs- oder Bewertungszwecken. Weil der "normale" Mensch nun mal die Abzinsung unterschiedlicher Zahlungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten nicht im Kopf rechnen, aber sehr wohl ein paar Zahlen (Barwerte) miteinander vergleichen kann.

Unsicherheiten kann man abschätzen und mit entsprechenden Eintrittswahrscheinlichkeiten berücksichtigen.
Ein Beispiel dafür ist der Rentenbarwert. Beim Versorgungsausgleich wird z.B. ein Rentenanspruch unter Berücksichtigung von Überlebenswahrscheinlichkeiten auf einen "Barwert" reduziert, dieser geteilt und daraus dann wieder Rentenansprüche festgelegt. Der Barwert selbst kommt nicht zur Auszahlung!
 
An dieser Stelle möchte ich dann doch mal auf die Nettiquette verweisen, die grundsätzlich überall eingehalten werden darf!

Kontrovers diskutieren ist das eine. Der Angriff von Personen geht aber eindeutig zu weit!
 
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